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22.01.2021
Museumssnack

„Schönen guten Tag, der Zoll! Haben sie Waren anzumelden?“ Diesen Satz haben vermutlich sehr viele schon einmal an der Grenze oder am Flughafen bei der Einreise gehört. Und spätestens seit dem Brexit und der trumpschen Wirtschaftspolitik wird wieder lebhaft über Zölle diskutiert. Doch was hat es eigentlich historisch gesehen mit dem Zoll auf sich.

„Hier gibt man Zoll!“, fordert das Schild in unserer Dauerausstellung auf. Gemeint ist damit aber nicht das heutige Zollamt in der Sägemühlenstraße. Als Institution des Bundesfinanzministeriums kontrolliert man dort auf mögliche Schmuggelware, Plagiate, aber auch Schwarzarbeit, Verstöße gegen den Mindestlohn und die rechtmäßige Erhebung von Verbrauchsteuern. Unser Schild hing hingegen einst am historischen Zollamt, dass in Celle unter anderem die Zölle der Stadt erhob und bis 1825 existierte.
Zollsysteme sind so alt wie die menschlichen Hochkulturen selbst. Als im 6. Jahrhundert sich das fränkische Reich auf deutschem Boden gründete, übernahm man das Zollsystem des Römischen Reichs und ergänzte es lediglich hier und da ein wenig. Demnach hatte der König – wie einst der römische Kaiser – das Recht, Zölle erheben zu lassen und die Einnahmen zu verwenden. Zumeist verstand man damals unter Zoll eine Art Benutzungsgebühr. Man erkaufte sich vornehmlich das Recht, für den Transport der eigenen Waren Brücken, Straßen oder andere Verkehrswege wie Flüsse zu nutzen, die in einem Zollgebiet lagen. Auch die Aller war ein wichtiger Handelsweg und wurde mit Zöllen belegt. Womöglich diente die Brunonenburg in Altencelle dazu, einen solchen Zoll zu erheben.

Im Laufe des Mittelalters verblieb zwar die Zollhoheit beim König. Das Recht die Zölle zu erheben und zu verwenden wurde jedoch zunehmend an Fürsten und Städte verpachtet oder ihnen als Lehen übertragen. Städte wie Celle erwarben so mit dem Marktrecht auch das Recht, Marktzölle zu erheben. Auswärtige Händler mussten sich nun den Zugang zum Celler Markt erkaufen. Dadurch wollte man den Preis und Absatz einheimischer Produkte stabil halten und die Stadtkasse aufbessern.
Zölle konnten jedoch auch als politisches Druckmittel verwendet werden. So konnten in Verhandlungen mit anderen Territorialherren vereinfachende Zollbedingungen für dessen Händler gegen einen politische Gegenleistungen angeboten werden. Auch heute erleben wir wieder, wie Zollbedingungen ein politisches Pfund in den Verhandlungen rund um den Austritt Großbritanniens aus der EU sind.

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich nicht nur Celle zu einem eigenen, kleinen Zollgebiet. Insgesamt zählte man zu dieser Zeit 1240 Zollgebiete in Deutschland. Dies bedeutete enorme Mehrkosten für Händler. Produkte wurden deshalb immer teurer und der Schmuggel nahm zu. Aufgrund dieser Handelshemmnisse begannen die Länder während der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert, Binnenzölle abzuschaffen. Damit schloss 1825 auch das Zollamt in Celle. Denn Zölle wurden nun nur noch an der hannoverschen Landesgrenze erhoben. Etwa 30 Jahre später trat Hannover dann dem norddeutschen Zollverein bei, der die Zölle zwischen einigen deutschen Ländern abschaffte.

Von der Abschaffung der Binnenzölle profitierten nicht nur Händler. Die Zollvereine förderten auch die Vereinheitlichung der Maße und Währungen im gemeinsamen Zollgebiet. Diese Vorteile hatte man auch vor Augen, als 1968 die europäische Zollunion gegründet wurde. Dabei schufen alle Mitglieder der Europäischen Union ihre nationalen Zölle ab und erheben diese bis heute nur noch gemeinsam an den Außengrenzen der EU gegenüber Drittstaaten.
Und in Zukunft? Werden wieder mehr Staaten auf Zölle als Mittel der Wirtschafts- und Außenpolitik zurückgreifen? Oder verschwinden Zölle womöglich im Zuge von bi- und multilateralen Handelsabkommen wie zwischen der EU und China noch mehr aus der Welt?

Schönen guten Tag, der Zoll!

Schönen guten Tag, der Zoll!

 

14.01.2021
Kurz mal reingeschaut - Folge 6: In Celle geht es zünftig zu

Vermutlich und hoffentlich ging dieses Mal zum Jahreswechsel auf so mancher Feier etwas weniger zünftig zu, als in den vergangene Jahren. Aber was genau ist eigentlich zünftig? Unser Museumspädagoge Adrian Schwinge zeigt, wie zünftig es einst in Celle zuging und erklärt, was Zünfte sind, wann und wozu sie gegründet wurden und welch feuchtfröhlichen Rituale im Zeichen des Gemeinschaftssinnes durchgeführt wurden.

 

08.01.2021
Museumssnack

Das Hochhaus aus der Sammlung von Astrid Keusemann ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Zeitgeschichte in Puppenhäusern spiegelt, sowohl in der Architektur als auch in der Ausstattung mit Möbeln.

In der ehemaligen DDR erfreuten sich Plattenbauten seit den ausgehenden 1950er Jahren großer Beliebtheit. Denn im Gegensatz zu den nicht sanierten Altbauten ohne Bad und mit Kohleheizung hatten die Wohnungen in den Hochhäusern der neuen Plattenbausiedlungen fließendes Wasser und eine Zentralheizung. Die Wohnungen waren außerdem mit Balkonen versehen. Sie entstanden in den Zentren der kriegszerstörten Innenstädte oder im Grünen an den Stadträndern. So versuchte man, dem akuten Wohnungsmangel entgegenzuwirken. Hinzu kamen ideologische Gründe: Der Status eines Menschen sollte im „real existierenden Sozialismus“ nicht an der Wohnung zu erkennen sein. Oft mussten die „normalen“ Bürger allerdings lange auf die Zuteilung einer solchen modernen Wohnung durch den Staat warten, während Stasi-Mitarbeiter*innen bevorzugt wurden.

Deshalb nimmt es nicht Wunder, dass die neu gegründeten volkseigenen Vereinigten Erzgebirgischen Spielwarenwerke Olbernhau diesen ungewöhnlichen Typus eines Puppenhauses 1967 auf der Leipziger Messe präsentierten. Allerdings nahmen die großen, nicht zusammenlegbaren Puppenhäuser, die außerdem nicht ganz preiswert waren, in den kleinen Kinderzimmern der Plattenbauten zu viel Platz weg. Sie blieben für viele Kinder Objekte der Sehnsucht, zumal auch ihre Innenausstattung ganz modern war bis hin zur Ausstattung mit Tapeten und Fußböden. Das Wohnzimmer des vorgestellten Objekts ist mit wuchtigen roten Drehsesseln, großer Schrankwand und Fernseher ausgestattet. Die Möbel produzierte die Spielwaren-Fabrik Hermann Rülke, Kleinhartmannsdorf, Sachsen.
Auch die Schlafzimmermöbel in der oberen Etage stammen von Rülke und bestehen aus dreitürigem Kleiderschrank mit stoffbespannter Glastür im Mittelteil sowie einem Frisiertisch und zwei zum Doppelbett gestellten Einzelbetten mit Nachtschränkchen und zeittypischen Nachttischlampen. Die Küche besticht durch blaue Plastikmöbel von Ullrich & Hoffmann – Wichtelmarke, Seiffen, Erzgebirge. Dazu passt der Tisch mit Resopaloberfläche und zwei roten Stühlen. Einen besonderen Akzent setzt der Schachbrettfußboden.

Wer ein solches Puppenhaus, das heute in Sammlerkreisen gesucht ist und Seltenheitswert besitzt, sein Eigen nannte, konnte sich zumindest in der Fantasie die Wartezeit auf eine schicke neue Wohnung verkürzen. Nach der Wende gab es 2,2 Millionen Wohnungen in Plattenbauweise, allerdings in teils marodem Zustand. Heute ist „die Platte“ vielfach saniert und dann Kult oder abgerissen.

Vorbild für die Plattenbauten – die ihren Namen von den in Fabriken vorgefertigten Betonplatten ableiten – war übrigens die von dem Architekten Le Corbusier entwickelte Wohneinheit „Unité d’Habitation“. Diese Einheiten baute er in Frankreich und Berlin. Aber auch schon vorher wurde in Deutschland in diesem Stil gebaut: erstmals 1925 in Frankfurt am Main (Stadtteil „Neues Frankfurt“). Die erste Siedlung wurde 1926 in Berlin-Friedrichsfelde errichtet.

Museumssnack 08.01.2021

Museumssnack 08.01.2021

Museumssnack 08.01.2021 Museumssnack 08.01.2021 Museumssnack 08.01.2021 Museumssnack 08.01.2021


Bilder:
Hochhaus, 1966, VERO, Olbernhau, Sachsen; aus der aufgebauten Sonderausstellung „Echt! Klein. MiniKosmos Puppenhaus. Sammlungen Gottschlich, Keusemann, Krenz“ 21.11.2020 – 5.4.2021
Vereinigten Erzgebirgischen Spielwarenwerke Olbernhau auf der Leipziger Messe, 1967
Plattenbausiedlung Berlin-Marzahn,1987
Corbusier-Haus in Berlin, 1957

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