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06.04.2021

Museumssnack

Heute ist Welt-Olympia-Tag! Und auch in unserer Ausstellung "Celle und sein Umland – Eine Reise durch die Zeit" läuft man den fünf olympischen Ringen über den Weg. Mit dem Motto "Dabei sein ist alles" hatte man es während der olympischen Spiele 1936 allerdings nicht so. Eher konnte man sich mit "Höher, Schneller, Weiter" anfreunden. Denn das NS-Regime nutzte die olympischen Spiele in Berlin 1936 zum Zweck der Propaganda. Man versuchte sich als weltoffener Gastgeber darstellen und doch zugleich die angebliche, rassistisch begründete Überlegenheit der deutschen Athletinnen und Athleten zu klarzustellen. Dazu wurden unter anderem im ganzen Land Gastgeschenke und Erinnerungsstücke produziert. 

Welt-Olympia-Tag

Der Celler Oberbürgermeister Ernst Meyer verschenkte 1936 recht- oder dreieckige Seidentücher, wie man sie in unserer Ausstellung sehen kann, unter anderem an ranghohe Nationalsozialisten. Auch, um selbst seine Treue und Nähe zum Regime zu zeigen. Die Tücher würden von der Celler Spinnhütte aus Abschnitten von Fallschirmseide hergestellt.

Welt-Olympia-Tag

Und auch die Celler Spinnhütte zeigte immer wieder ihre Loyalität zum Nationalsozialismus. Bis 1942 wurde sie zum nationalsozialistischen Musterbetrieb und zum Kriegsmusterbetrieb erklärt. Dabei handelt es sich um Auszeichnungen des NS-Staates für ideologische Treue und Vorbildlichkeit sowie ständige Steigerung der Produktivität.

Welt-Olympia-Tag

Ideologische Treue zeigte der 1928 als Genossenschaft für Seidenraupenzüchter gegründete Betrieb durch soziale Fürsorge, Indoktrination der Belegschaft und Militarisierung des Arbeitsalltags. NS-Musterbetriebe mussten zum Beispiel die Angebliche Fürsorge des Regimes für die Arbeiter vorbildlich umsetzen. Die Spinnhütte führte so auf der einen Seite Werkspausen-Konzerte und kostenlose Getränke für die Belegschaft ein. Außerdem wurden sogenannte "schöne Arbeitsplätze" zur Überwindung des Gegensatzes von Mensch und Maschine eingerichtet. Aber auch Weihnachts- und Kindergeld wurden gezahlt. Auf der Seite beschalte man die Arbeiter*innen während Betriebsapellen mit nationalsozialistischer Ideologie und auch die eigene Werkszeitung "Der Seidenspinner" verbreitet NS-Gedankengut mal mehr, mal weniger explizit. Und auch der eingeführte Betriebssport für das körperliche Wohl der Belegschaft wurde in militärischer Formation ausgeübt und verfestigte so nationalsozialistische Körper- und Geschlechterbilder.

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Die Spinnhütte prägte so die eigenen Angestellten während der Arbeitszeit und darüber hinaus im Sinne des NS-Regimes. Diese stellten ihre Leistungsfähigkeit und ideologische Treue auch während gleich in Reichsberufswettkämpfen unter Beweis. Gerade wenn man bedenkt, dass Mensch meist mindestens 40 Stunden, an 5 Tagen die Woche, in über 40 Wochen im Jahr auf Arbeit verbringen, darf der Einfluss der Arbeitsstätten auf unser Selbstverständnis und Weltbild unterschätzt werden.

Wie sieht es eigentlich heute in Unternehmen aus? Leben wir in einer Zeit überwiegend unpolitischer Unternehmen oder ist der Arbeitsalltag immer noch mehr oder weniger von einer politischen Agenda geprägt? Und wie geht es uns selbst damit? Wie stark bilden wir unsere Identität über unseren Job und unseren Arbeitgeber?

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